Ein Spiegelschrank im Bad löst sofort zwei Probleme: bessere Beleuchtung am Waschplatz und mehr Stauraum für Zahnbürste, Rasierer, Kosmetik und Medikamente. Schwierig wird es, wenn Fliesen, Stromleitung, Armaturenhöhe und Mietwohnung zusammenkommen.
Mit sauberer Planung lässt sich ein 60 cm, 80 cm oder 100 cm breiter Spiegelschrank sicher montieren, ohne Fliesen zu beschädigen oder Kabel falsch anzuschließen. Entscheidend sind die richtige Höhe, passende Dübel und die Einhaltung der Schutzbereiche nach DIN VDE 0100-701 im Badezimmer.
Auf einen Blick
- Standardhöhe: Unterkante meist 115 bis 125 cm über fertigem Boden, Oberkante je nach Modell etwa 190 bis 205 cm.
- Kosten: Einfache Spiegelschränke kosten etwa 80 bis 180 EUR, gute LED-Modelle 220 bis 650 EUR, Elektrikeranschluss oft 90 bis 180 EUR.
- Wand prüfen: In Altbauwohnungen sind Hohlräume, bröseliger Putz und schiefe Fliesen häufig. Dübel müssen zum Untergrund passen.
- Strom im Bad: Anschluss und Steckdosen gehören außerhalb kritischer Schutzbereiche und sollten bei Unsicherheit vom Fachbetrieb geprüft werden.
Entscheidungs-Checkliste vor dem Kauf
- Ja/Nein: Ist über dem Waschtisch mindestens 60 bis 100 cm freie Wandbreite vorhanden?
- Ja/Nein: Bleiben zwischen Armatur und Unterkante des Schranks mindestens 10 bis 15 cm Abstand?
- Ja/Nein: Gibt es einen vorhandenen Wandauslass oder eine sichere Steckdose für Licht und Steckdoseneinsatz?
- Ja/Nein: Ist die Wand tragfähig genug für 12 bis 25 kg Schrankgewicht plus Inhalt?
- Ja/Nein: Darf in der Mietwohnung gebohrt werden oder ist vorher eine Abstimmung mit dem Vermieter sinnvoll?
- Ja/Nein: Öffnen Türen und Spiegeltüren frei, ohne gegen Leuchte, Regal oder Duschwand zu stoßen?

Maße, Höhe und Modell richtig planen
Der Spiegelschrank sollte zuerst zum Waschplatz passen, nicht zum Sonderangebot im Baumarkt. Bei einem 60 cm breiten Waschtisch wirkt ein 60 cm oder 65 cm breiter Schrank stimmig. Bei Doppelwaschtischen mit 120 cm Breite sind zwei einzelne Spiegelschränke oder ein durchgehendes Modell mit 100 bis 120 cm Breite möglich.
Die Tiefe liegt üblicherweise zwischen 12 und 18 cm. In kleinen Bädern mit nur 4 bis 6 m² ist eine Tiefe von 12 bis 14 cm oft angenehmer, weil man sich beim Waschen nicht eingeengt fühlt. Bei tieferen Modellen prüfen Sie, ob der Wasserhahn noch gut bedienbar ist und ob größere Personen den Kopf nicht anstoßen.
Montagehöhe am Waschplatz
Als praxistauglicher Richtwert gilt: Unterkante des Spiegelschranks 115 bis 125 cm über fertigem Boden. Bei sehr hohen Nutzern kann die Unterkante auf 125 bis 130 cm steigen. Bei Familien mit Kindern ist es besser, nicht zu niedrig zu montieren, sondern einen standsicheren Hocker zu nutzen.
Die Mitte der Spiegelfläche sollte ungefähr auf Augenhöhe liegen. In vielen deutschen Wohnungen funktioniert eine Spiegelmitte zwischen 155 und 170 cm gut. Achten Sie zusätzlich auf die Armatur: Zwischen Oberkante Wasserhahn und Unterkante Schrank sollten mindestens 10 cm, besser 15 cm Luft bleiben.
In der Praxis wird der Spiegelschrank oft zu niedrig gesetzt, weil nur die kleinste Person im Haushalt berücksichtigt wird. Das führt dazu, dass große Nutzer beim Zähneputzen ständig nach hinten ausweichen. Besser ist ein Kompromiss, bei dem die Hauptnutzer ihr Gesicht vollständig sehen und die Armatur frei bleibt.
Beispiel aus einer deutschen Mietwohnung
In einer 68 m² Altbauwohnung in Leipzig ist das Bad nur 5,2 m² groß, der Waschtisch 60 cm breit und die Fliesen reichen bis 150 cm Höhe. Hier passt ein 60 cm breiter LED-Spiegelschrank mit 14 cm Tiefe und 70 cm Höhe gut. Die Unterkante liegt bei 120 cm, die Oberkante bei 190 cm, damit die Spiegeltür nicht an die Deckenleuchte stößt.
Bei einem Neubau-Bad mit 8 m² und 100 cm Waschtisch kann ein 100 cm breites Modell mit seitlicher LED-Beleuchtung sinnvoll sein. Solche Schränke kosten im Handel meist 300 bis 700 EUR. Günstigere Modelle ab 120 EUR haben oft weniger stabile Scharniere, schwächere Beleuchtung und einfachere Innenböden.
Wenn Sie parallel die gesamte Waschplatzbeleuchtung verbessern möchten, passt ein späterer Blick auf Badbeleuchtung planen gut zur Spiegelschrank-Auswahl.
Wand, Fliesen und Befestigung sicher prüfen
Ein Spiegelschrank ist schwerer, als er im Karton wirkt. Ein 80 cm breites Modell mit LED, Steckdose und Glaseinlegeböden wiegt schnell 18 bis 25 kg. Dazu kommen Inhalt und tägliche Belastung durch Öffnen und Schließen der Türen.
Für Beton und Vollziegel reichen meist hochwertige Universaldübel oder Rahmendübel in 6 bis 8 mm. Ein Set Marken-Dübel mit passenden Schrauben kostet etwa 5 bis 12 EUR. Bei Porenbeton, Lochziegeln oder Trockenbauwänden brauchen Sie spezielle Dübel, zum Beispiel Hohlraum-Metalldübel oder Injektionssysteme. Dafür sollten Sie 10 bis 30 EUR Materialkosten einplanen.
Untergrund erkennen
Beton klingt beim Klopfen hart und dumpf, Vollziegel eher fest, Trockenbau hohl. In vielen Altbau-Bädern findet man Mischuntergründe: erst Fliese, dann alter Putz, dann Ziegel oder Hohlraum. Erfahrungsgemäß lohnt sich hier ein Probeloch an unauffälliger Stelle nur dann, wenn Sie sicher sind, keine Leitung zu treffen.
Vor dem Bohren ist ein Leitungssucher sinnvoll. Ein einfaches Gerät kostet etwa 25 bis 60 EUR, bessere Modelle 70 bis 120 EUR. Trotzdem ersetzt es nicht den gesunden Menschenverstand: Senkrecht über Armaturen, Steckdosen und Lichtschaltern verlaufen häufig Wasser- oder Stromleitungen.
Fliesen bohren ohne Schaden
Markieren Sie die Bohrpunkte mit Malerkrepp, damit der Bohrer nicht wegrutscht. Bohren Sie Fliesen ohne Schlag, langsam und mit geeignetem Fliesen- oder Diamantbohrer. Ein brauchbarer 6 mm Fliesenbohrer kostet etwa 8 bis 18 EUR, ein kleines Diamantbohrer-Set 15 bis 35 EUR.
Erst wenn die Fliese durchbohrt ist, wechseln Sie bei Beton oder hartem Mauerwerk auf Steinbohrer und gegebenenfalls Schlagbohrfunktion. Bei Wandfliesen mit Hohlraum dahinter dürfen Sie nicht zu stark drücken, sonst platzt die Glasur oder die Fliese reißt. Mehr Details zu Technik und Bohrern passen in den Ratgeber Fliesen bohren ohne Risse.
Montage Schritt für Schritt: vom Anzeichnen bis zum Einhängen
Arbeiten Sie nicht allein, wenn der Schrank breiter als 60 cm ist. Eine zweite Person hält das Gehäuse, prüft die Waage und verhindert, dass Kanten gegen Waschbecken oder Fliesen schlagen. Legen Sie außerdem ein dickes Handtuch ins Waschbecken, um Keramik und Spiegel zu schützen.
1. Position anzeichnen
Messen Sie zuerst die gewünschte Unterkante, zum Beispiel 120 cm ab fertigem Boden. Übertragen Sie dann die Aufhängemaße aus der Montageanleitung auf die Wand. Arbeiten Sie mit Wasserwaage oder Kreuzlinienlaser. Ein einfacher Kreuzlinienlaser kostet etwa 35 bis 90 EUR und spart bei großen Schränken viel Nacharbeit.
Prüfen Sie die Türöffnung, bevor Sie bohren. Öffnen simulieren Sie am besten mit einem Karton in Schranktiefe. Bei seitlichen Wänden, Hochschränken oder schrägen Decken im Dachgeschoss können wenige Zentimeter entscheidend sein.
2. Bohren und Dübel setzen
Bohren Sie zunächst mit kleinem Durchmesser vor, wenn die Fliese empfindlich ist. Saugen Sie Bohrstaub aus dem Loch, sonst hält der Dübel schlechter. Der Dübel muss bündig in der Wand sitzen, nicht nur in der Fliese.
Bei Hohlraumdübeln in Gipskarton benötigen Sie oft eine Montagezange, die 12 bis 25 EUR kostet. Für schwere Spiegelschränke an Trockenbauwänden ist es besser, in die Unterkonstruktion zu schrauben oder eine Lastverteilung über Montageschienen zu nutzen. Häufig sehen wir bei Kunden, dass normale Kunststoffdübel in Rigips verwendet werden. Das hält anfangs, lockert sich aber durch das tägliche Öffnen der Spiegeltüren.
3. Schrank befestigen und ausrichten
Viele Spiegelschränke werden auf Haken, Schienen oder Montageplatten eingehängt. Ziehen Sie Schrauben nicht sofort komplett fest, sondern richten Sie das Gehäuse zuerst exakt waagerecht aus. Schon 3 mm Schiefstand fallen bei Spiegeltüren stark auf.
Nach dem Einhängen prüfen Sie, ob alle Türen sauber schließen. Bei Modellen mit Topfscharnieren lassen sich Spaltmaß und Höhe meist mit kleinen Schrauben justieren. Nehmen Sie sich dafür 10 Minuten Zeit, denn schlecht eingestellte Türen belasten Scharniere und Spiegelkanten unnötig.
Strom, Licht und Steckdose im Bad richtig behandeln

Viele moderne Spiegelschränke haben LED-Leuchten, Schalter, Steckdose und manchmal eine Spiegelheizung. Genau hier wird das Bad sicherheitsrelevant. Nach DIN VDE 0100-701 gelten im Badezimmer Schutzbereiche um Badewanne und Dusche. Elektrische Betriebsmittel müssen dazu passen, und Stromkreise im Bad sollen über einen Fehlerstromschutzschalter mit maximal 30 mA abgesichert sein.
Wenn ein vorhandener Wandauslass über dem Waschtisch liegt, darf der Schrank nicht einfach irgendwie angeklemmt werden. Aus eigener Erfahrung ist der häufigste Kostentreiber nicht der Schrank, sondern ein schlecht platzierter oder alter Stromanschluss. Ein Elektriker berechnet für den Anschluss eines vorhandenen Wandauslasses oft 90 bis 180 EUR. Muss eine Leitung verlegt oder eine zusätzliche Steckdose gesetzt werden, sind 180 bis 450 EUR realistisch, je nach Wandaufbau und Aufwand.
Schutzbereiche nicht unterschätzen
Der Bereich direkt in und an Dusche oder Badewanne ist besonders kritisch. Ein Spiegelschrank über einem normalen Waschtisch liegt häufig außerhalb der strengsten Schutzbereiche, aber das muss im konkreten Raum geprüft werden. Entscheidend sind Abstände zu Dusche, Wanne und festen Abtrennungen.
In Mietwohnungen dürfen Sie Elektroinstallationen nicht eigenmächtig verändern. Ein Lampenanschluss wird zwar oft vom Mieter genutzt, aber neue Leitungen, zusätzliche Steckdosen oder Änderungen am Stromkreis gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Bewahren Sie Rechnungen auf, falls beim Auszug Fragen entstehen.
Lichtfarbe und Helligkeit wählen
Für den Waschplatz sind 3.000 bis 4.000 Kelvin sinnvoll. 3.000 Kelvin wirkt warm und wohnlich, 4.000 Kelvin neutraler und besser für Rasur oder Make-up. Achten Sie auf seitliche oder umlaufende Beleuchtung, damit keine harten Schatten unter Augen und Nase entstehen.
Ein einfacher LED-Spiegelschrank mit 60 cm Breite startet bei etwa 120 EUR. Solide Modelle mit besserer Lichtverteilung liegen bei 250 bis 450 EUR. Markenmodelle mit Dimmfunktion, Steckdose, Soft-Close und guter Verarbeitung kosten häufig 500 bis 900 EUR.
Planen Sie auch den Stauraum realistisch. In einem 5 m² Bad ersetzt ein Spiegelschrank keinen Hochschrank, aber er nimmt Alltagsartikel auf und hält den Waschtisch frei. Wenn das Bad dauerhaft überladen wirkt, hilft zusätzlich ein System für kleines Bad organisieren.
Zusammenfassung
- Waschtischbreite messen: 60 cm, 80 cm oder 100 cm Schrankbreite passend auswählen.
- Montagehöhe festlegen: Unterkante meist 115 bis 125 cm über fertigem Boden.
- Abstand zur Armatur prüfen: mindestens 10 cm, besser 15 cm Luft lassen.
- Wanduntergrund bestimmen: Beton, Ziegel, Porenbeton oder Trockenbau benötigen unterschiedliche Dübel.
- Fliesen langsam ohne Schlag bohren und erst hinter der Fliese auf Steinbohrer wechseln.
- Stromanschluss im Bad nach DIN VDE 0100-701 prüfen lassen, besonders in der Mietwohnung.
- Kosten kalkulieren: Schrank 120 bis 700 EUR, Befestigung 5 bis 30 EUR, Elektriker häufig 90 bis 450 EUR.
- Schrank nach dem Einhängen exakt ausrichten und Türen justieren.
Häufige Fragen
Wie hoch hängt man einen Spiegelschrank über dem Waschbecken?
Die Unterkante liegt meist bei 115 bis 125 cm über dem fertigen Boden. Wichtig ist, dass die Hauptnutzer ihr Gesicht gut sehen und zwischen Armatur und Schrank mindestens 10 bis 15 cm Abstand bleiben.
Darf ich in einer Mietwohnung einen Spiegelschrank anbohren?
Normale Dübellöcher im Bad können zum vertragsgemäßen Gebrauch gehören, trotzdem ist Vorsicht sinnvoll. Bei großen Schränken, neuen Stromanschlüssen oder sehr hochwertigen Fliesen sollten Sie vorher den Vermieter informieren und die Montage dokumentieren.
Welche Dübel brauche ich für einen schweren Spiegelschrank?
Für Beton oder Vollziegel eignen sich hochwertige 6 bis 8 mm Universaldübel oder Rahmendübel. Bei Trockenbau, Porenbeton oder Lochziegeln sind Spezialdübel nötig. Entscheidend ist die tatsächliche Tragfähigkeit des Untergrunds.
Kann ich den Spiegelschrank selbst elektrisch anschließen?
Wenn nur ein Stecker in eine vorhandene geeignete Steckdose gesteckt wird, ist das unkritischer. Feste Anschlüsse, Änderungen an Leitungen oder Arbeiten im Bad sollten von einer Elektrofachkraft ausgeführt werden, weil Schutzbereiche und FI-Schutz relevant sind.
Was kostet die Montage eines Spiegelschranks?
Für reine Wandmontage verlangen Handwerksbetriebe oft 80 bis 180 EUR, abhängig von Größe und Untergrund. Mit elektrischem Anschluss liegen die Gesamtkosten häufig bei 170 bis 450 EUR zusätzlich zum Schrank.
Welche Lichtfarbe ist im Bad am besten?
Für den Waschplatz sind 3.000 bis 4.000 Kelvin sinnvoll. Warmweiß wirkt gemütlicher, neutralweiß zeigt Haut, Bart und Make-up klarer. Eine gleichmäßige seitliche Beleuchtung ist wichtiger als reine Wattzahl.









