Ein defekter oder veralteter Lichtschalter muss nicht gleich den Elektriker auf den Plan rufen. Mit dem richtigen Werkzeug und etwas handwerklichem Geschick kannst du einen Lichtschalter selbst tauschen. Dieser Ratgeber zeigt dir, worauf es bei der Sicherheit ankommt, welches Material du benötigst und wie du Schritt für Schritt vorgehst. Alle Angaben beziehen sich auf typische deutsche Hausinstallationen mit 230 Volt Wechselspannung.

1. Vorbereitung und Sicherheit – das A und O
Bevor du den Schraubendreher in die Hand nimmst, steht die Sicherheit an erster Stelle. Arbeiten an der Elektroinstallation gehören in die Hände von Fachleuten, aber einfache Schalterwechsel sind mit Vorsicht auch für ambitionierte Heimwerker machbar. Wichtig: Schalte vor jedem Eingriff die entsprechende Sicherung im Sicherungskasten aus. Nutze einen Phasenprüfer (Spannungsprüfer), um sicherzustellen, dass keine Spannung mehr anliegt. Phasenprüfer gibt es ab 5 Euro im Baumarkt (OBI, Bauhaus). Prüfe immer alle drei Klemmen – auch wenn du denkst, die Sicherung sei aus. Ein weiterer Tipp: Verwende eine Schaltuhr oder einen Durchgangsprüfer, um die Leitung vor dem Schließen zu testen.
Ein typischer Fehler ist, nur den Lichtschalter auszuschalten – das unterbricht nur den Strom zum Verbraucher, die Zuleitung bleibt unter Spannung. Dreh also immer die Sicherung raus! Bei älteren Häusern mit zweiadriger Verkabelung (ohne Schutzleiter) ist besondere Vorsicht geboten. Moderne Schalter benötigen einen Neutralleiter, aber bei einem einfachen Wechselschalter reichen zwei Adern. Informiere dich vorab über die Schaltung (Ausschaltung, Wechselschaltung, Kreuzschaltung).
2. Werkzeug und Material – was du brauchst
- Spannungsprüfer (Phasenprüfer) – einpolig, Preis ca. 5–10 Euro
- Schlitz- und Kreuzschlitz-Schraubendreher – in den Größen 3,5 mm und 5,5 mm
- Seitenschneider oder Abisolierzange – zum Kürzen und Abisolieren der Drähte
- Ersatzschalter – je nach Schaltung (z.B. Wechselschalter von Busch-Jaeger, Gira oder Merten) ab 8 Euro
- Wago-Klemmen (optional) – zum Verbinden von Leitungen, ca. 0,50 Euro pro Stück
- Kabelreste oder Aderendhülsen – falls Drähte zu kurz sind
- Taschenlampe oder Stirnlampe – da der Strom aus ist
Alle Teile sind in Baumärkten wie OBI, Bauhaus oder Hornbach erhältlich. Achte auf die Bauform: „Unterputz“ (UP) für Schalter in der Wand, oder „Aufputz“ (AP) für alte Installationen. Die meisten Lichtschalter in Neubauten sind UP. Der Preis für einen einfachen Wechselschalter liegt zwischen 8 und 12 Euro. Für Designerschalter zahlst du 15–30 Euro. Kaufe am besten ein Fabrikat, das zur vorhandenen Serie passt, sonst sieht es unordentlich aus.

3. Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schaltertausch
Schritt 1: Sicherung ausschalten – Dreh die entsprechende Sicherung (LS-Schalter) im Sicherungskasten auf „Aus“. Bei älteren Anlagen mit Schraubsicherungen musst du den Sicherungseinsatz herausdrehen. Mache ein Schild an den Kasten, damit niemand versehentlich wieder einschaltet.
Schritt 2: Abdeckung und Rahmen entfernen – Meist wird der Wippe oder der Abdeckung mit einem kleinen Schlitzschraubendreher vorsichtig abgehebelt. Der Rahmen lässt sich oft durch Drücken von oben und unten lösen. Lege die Teile beiseite.
Schritt 3: Spannungsfreiheit prüfen – Berühre mit dem Phasenprüfer jede Klemme des alten Schalters. Leuchtet die Glimmlampe, ist noch Spannung drauf – dann nochmal die Sicherung prüfen und erneut testen. Erst wenn keine Lampe leuchtet, ist es sicher.
Schritt 4: Alten Schalter ausbauen – Löse die Schrauben der Klemmen (meist Kreuzschlitz) und ziehe die Drähte heraus. Merke dir die Farbe der Drähte oder mache ein Foto. Bei Wechselschaltung: Eine Ader kommt von der Zuleitung (S), die anderen beiden sind die Korrespondierenden (1 und 2). Bei einer Ausschaltung: Nur zwei Drähte (L und geschalteter Draht).
Schritt 5: Neuen Schalter anschließen – Führe die Drähte in die Klemmen des neuen Schalters ein. Achte auf die Belegung: Bei Wechselschalter kommt der Außenleiter (Phase) auf die gemeinsame Klemme (L), die beiden anderen auf die Klemmen mit Pfeilen (1 und 2). Ziehe die Schrauben fest an. Prüfe, ob die Drähte fest sitzen, indem du leicht ziehst.
Schritt 6: Schalter einsetzen und montieren – Stecke den Schalter in die Unterputzdose und richte ihn gerade aus. Schraube den Schalter mit den beiligenden Schrauben fest. Setze den Rahmen auf und drücke die Wippe oder Abdeckung auf.
Schritt 7: Funktion testen – Schalte die Sicherung wieder ein. Schalte das Licht an und aus. Funktioniert es? Dann ist alles richtig. Wenn nicht, Sicherung raus und Anschlüsse überprüfen.
4. Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Einer der häufigsten Fehler ist, die Adern zu lang oder zu kurz abzuisolieren. Ideal ist eine Abisolierlänge von etwa 8–10 mm pro Drahtende. Ist das Ende zu lang, kann es zu Kurzschlüssen kommen, zu kurz, sitzt der Draht nicht sicher in der Klemme. Verwende eine Abisolierzange (5–10 Euro) und keine Seitenschneider, um die Isolierung sauber zu entfernen.
Ein weiterer Fehler: Die Schrauben der Klemmen werden überdreht. Das kann das Gewinde beschädigen. Fest anziehen, aber mit Gefühl. Ziehe nach dem Anschließen noch mal leicht an jedem Draht, um den Kontakt zu prüfen.
Verwechslung der Adern bei Wechselschaltung kann dazu führen, dass das Licht nicht korrekt schaltet. Notiere dir die Farben der Kabel oder fotografiere die alte Verkabelung. In der Regel: braun oder schwarz für Phase, grau oder blau für geschalteten Draht – aber es gibt Abweichungen. Bei Altbauten mit zwei Adern (oft schwarz und rot) ist die Zuordnung nicht standardisiert. Hier hilft nur ein Durchgangsprüfer.
5. Häufige Fragen
Muss ich den Strom komplett abschalten oder reicht der Lichtschalter in „Aus“-Stellung?
Der Lichtschalter in „Aus“ unterbricht nur den Strom zum Leuchtmittel, die Klemmen am Schalter bleiben unter Spannung (Phase liegt an). Deshalb immer die Sicherung im Sicherungskasten ausschalten und mit einem Phasenprüfer nachmessen. Das ist der einzige sichere Weg.
Kann ich einen Schalter ohne Neutralleiter austauschen?
Ja, bei einfachen Schaltungen (Ausschaltung, Wechselschaltung) wird kein Neutralleiter benötigt. Der Schalter unterbricht nur den Außenleiter. Moderne Smart-Schalter benötigen meist einen Neutralleiter. Wenn du einen solchen einbauen möchtest und kein Neutralleiter in der Dose liegt, musst du einen Elektriker beauftragen.
Die Schrauben des Schalters lassen sich nicht lösen – was tun?
Manchmal sind die Schrauben überdreht oder der Schalter ist alt. Versuche, die Schraube mit etwas WD-40 oder Kriechöl zu behandeln und warte 10 Minuten. Falls das nicht hilft, musst du den Schalter eventuell aufbrechen – das ist aber nur im Notfall zu empfehlen, da dann die Drähte frei liegen. Schalte vorher unbedingt den Strom ab!
6. Fazit
Einen Lichtschalter selbst zu tauschen ist mit der richtigen Vorbereitung und Sorgfalt durchaus machbar. Sicherheit steht dabei absolut im Vordergrund: Sicherung raus, Spannungsfreiheit prüfen, korrekte Verkabelung. Die Kosten sind gering – Werkzeug ab ca. 15 Euro, ein neuer Schalter ab 8 Euro. Mit dieser Anleitung und etwas Geduld kannst du in 20 Minuten einen Schalter wechseln. Bei Unsicherheiten oder wenn die Verkabelung unklar ist, lieber einen Fachmann hinzuziehen. So bleibt die Elektroinstallation sicher und dein Zuhause funktional.








