Schwarze Silikonfugen, bröselnde Zementfugen oder feine Risse am Wannenrand sind im Bad kein reines Schönheitsproblem. Wenn Wasser hinter Fliesen oder an die Baukonstruktion gelangt, wird aus einer 25-Euro-Reparatur schnell ein Feuchteschaden.
Dieser Ratgeber zeigt, wann Sie Badfugen selbst erneuern können, welches Material sinnvoll ist und wo in einer Mietwohnung die Grenze zum Vermieter oder Fachbetrieb liegt.
Auf einen Blick
- Silikonfugen an Dusche, Badewanne und Waschtisch lassen sich meist selbst erneuern, wenn der Untergrund trocken und tragfähig ist.
- Zementfugen zwischen Fliesen brauchen mehr Sorgfalt: lose Fugenmasse muss mindestens 2 bis 3 mm tief entfernt werden.
- Rechnen Sie für ein kleines Bad mit 5 bis 6 m² mit etwa 35 bis 90 EUR Materialkosten bei Eigenleistung.
- In Mietwohnungen sollten Sie bei Schimmel, Rissen an Anschlussfugen oder Verdacht auf Wasserschaden vorab schriftlich den Vermieter informieren.
Welche Fuge ist betroffen: Silikon oder Zement?
Vor dem Einkauf müssen Sie klären, welche Fugenart erneuert werden soll. Silikonfugen sitzen an Bewegungs- und Anschlussbereichen: zwischen Badewanne und Wand, Duschwanne und Fliese, Waschtisch und Wand oder in Raumecken. Sie sind elastisch und lassen sich mit dem Fingernagel leicht eindrücken.
Zementfugen liegen zwischen den Fliesenflächen. Sie sind hart, meist 2 bis 5 mm breit und nehmen im Laufe der Jahre Seifenreste, Kalk und Schmutz auf. Bei Bodenfliesen im Bad sind Fugenbreiten von 3 bis 6 mm üblich, bei großformatigen Wandfliesen mit 30 x 60 cm oft 2 bis 3 mm.
In der Praxis werden beide Fugenarten häufig verwechselt. Silikon ist keine Abdichtung nach DIN 18534, sondern eine Wartungsfuge. Die eigentliche Abdichtung muss unter den Fliesen liegen. Trotzdem verhindert eine intakte Silikonfuge, dass Spritzwasser dauerhaft in kritische Randbereiche läuft.
Typische Schadbilder richtig einordnen
Schwarze Punkte auf Silikon sind oft Schimmelbelag oder Schimmel im Material. Wenn die Fuge zusätzlich klebrig, rissig oder abgelöst ist, hilft Reinigen nur kurzfristig. Dann sollte die Fuge komplett herausgeschnitten werden.
Bei Zementfugen sind helle Auswaschungen, sandige Stellen oder offene Löcher ein Warnzeichen. Besonders im Duschbereich ist relevant, ob nur die Oberfläche beschädigt ist oder ob Wasser bereits hinter die Fliesen läuft. Klingt eine Fliese hohl, sollten Sie nicht einfach überfugen.
Wenn Sie zusätzlich Fliesen austauschen oder eine komplette Dusche planen, passt dazu unser Ratgeber Badezimmer renovieren Reihenfolge. Dort ist wichtig, wann Abdichtung, Fliesen und Sanitärarbeiten aufeinander folgen.
Material, Werkzeug und realistische Kosten
Für ein normales Gästebad oder ein kleines Altbau-Bad reichen wenige Werkzeuge. Ein Fugenmesser kostet etwa 6 bis 15 EUR, ein Silikonentferner 7 bis 12 EUR, eine Kartusche Sanitärsilikon 8 bis 16 EUR. Für Zementfugen zahlen Sie je nach Qualität und Farbe etwa 12 bis 25 EUR für 2 kg Fugenmörtel.
Hinzu kommen Klebeband für 3 bis 6 EUR, ein Fugenglätter für 4 bis 10 EUR, Schwamm und Eimer für etwa 5 bis 12 EUR. Wer sauber arbeiten will, nimmt außerdem Einweghandschuhe, Alkoholreiniger oder speziellen Untergrundreiniger für 5 bis 10 EUR. Für eine einzelne Duschwanne liegen Sie damit oft bei 30 bis 55 EUR.
Erfahrungsgemäß lohnt sich billiges Silikon im Bad selten. Achten Sie auf Sanitärsilikon mit guter Schimmelhemmung, UV-Beständigkeit und passender Farbe. Transparentes Silikon kaschiert schlecht, wenn die alte Fuge nicht vollständig entfernt wurde. Weiß, Manhattan-Grau oder Sandgrau passen in vielen deutschen Bädern besser.
Kostenbeispiel: 5,5 m² Altbaubad in Köln
In einer 5,5 m² Altbauwohnung in Köln soll die Silikonfuge an einer 170 cm Badewanne, am 80 cm Waschtisch und in zwei 90 cm langen Eckbereichen erneuert werden. Insgesamt sind das rund 5,2 laufende Meter. Eine Kartusche mit 310 ml reicht bei einer 6 mm breiten und 6 mm tiefen Fuge meist aus, bei breiteren Fugen sollten Sie zwei Kartuschen einplanen.
Die Materialkosten liegen hier realistisch bei 45 bis 70 EUR: 2 Kartuschen Sanitärsilikon für zusammen 18 bis 30 EUR, Fugenwerkzeug 10 EUR, Reiniger 8 EUR, Klebeband 4 EUR und Kleinmaterial 5 bis 18 EUR. Ein Handwerker berechnet für das Entfernen und Neuverfugen je nach Region häufig etwa 8 bis 15 EUR pro laufendem Meter, dazu Anfahrt von 35 bis 70 EUR. Das Beispielbad läge professionell also grob bei 90 bis 150 EUR.
Entscheidung: selbst machen oder beauftragen?
- Ja/Nein: Ist die Fuge nur oberflächlich schimmelig und nicht abgelöst? Dann kann Reinigen reichen, sonst erneuern.
- Ja/Nein: Ist der Untergrund trocken und tragfähig? Nur dann selbst neu verfugen.
- Ja/Nein: Sind Fliesen locker oder hohl klingend? Dann Fachbetrieb oder Vermieter einschalten.
- Ja/Nein: Handelt es sich um eine Mietwohnung mit möglichem Feuchteschaden? Vorher schriftlich melden.
- Ja/Nein: Können Sie die Dusche 24 Stunden nicht nutzen? Silikon braucht Ruhe zum Aushärten.
- Ja/Nein: Ist die Fuge breiter als 10 mm oder sehr tief? Dann eventuell Hinterfüllschnur verwenden.

Silikonfugen Schritt für Schritt erneuern
Eine gute Silikonfuge entsteht nicht durch viel Material, sondern durch saubere Vorbereitung. Planen Sie für eine Badewanne oder Dusche zwei bis drei Stunden Arbeitszeit ein, plus Trocken- und Aushärtezeit. Duschen sollten Sie danach je nach Produktangabe meist 24 Stunden nicht.
1. Alte Fuge vollständig entfernen
Schneiden Sie die alte Fuge mit einem Fugenmesser oder Cutter an beiden Flanken ein. Arbeiten Sie flach, damit Sie Fliesen, Acrylwanne oder Emaille nicht beschädigen. Reste ziehen Sie mit einer Spitzzange oder einem Kunststoffschaber ab.
Danach kommt Silikonentferner auf dünne Reste. Lassen Sie ihn nach Herstellerangabe einwirken und wischen Sie gründlich nach. Typischer Fehler in deutschen Altbauwohnungen: Es wird über altes, leicht schimmeliges Silikon gezogen. Die neue Fuge haftet dann schlecht und sieht nach wenigen Monaten wieder fleckig aus.
2. Reinigen, trocknen, abkleben
Der Untergrund muss fettfrei, staubfrei und trocken sein. Nutzen Sie Alkoholreiniger oder einen geeigneten Badreiniger ohne rückfettende Zusätze. Nach dem Reinigen sollte der Bereich mindestens einige Stunden trocknen, bei stark feuchten Fugen besser über Nacht.
Kleben Sie die Fugenränder mit Malerkrepp ab. Bei einer Anschlussfuge an der Badewanne sind 5 bis 8 mm sichtbare Fugenbreite meist ausreichend. Eine zu dünne Fuge reißt schneller, eine zu breite Fuge wirkt unsauber.
3. Silikon einbringen und glätten
Schneiden Sie die Kartuschenspitze schräg an, passend zur Fugenbreite. Führen Sie die Kartusche gleichmäßig, ohne abzusetzen. Die Fuge sollte vollständig gefüllt sein, aber nicht überquellen.
Glätten Sie mit einem Fugenglätter oder einem geeigneten Glättmittel. Spülmittelwasser wird oft verwendet, kann aber die Haftung stören, wenn zu viel davon unter die Fuge läuft. Ziehen Sie das Klebeband direkt nach dem Glätten ab, solange das Silikon noch frisch ist.
Wenn Sie mehrere Badarbeiten kombinieren, etwa neue Armaturen, Silikon und Wandfarbe, hilft ein Blick auf Bad streichen feuchtraumfarbe. Gerade im kleinen Bad entscheidet die Reihenfolge über ein sauberes Ergebnis.
Zementfugen ausbessern oder komplett erneuern
Zementfugen zwischen Fliesen sind belastbarer als Silikon, aber schwieriger sauber zu sanieren. Einzelne kleine Löcher können Sie ausbessern. Bei vielen bröselnden Fugen im Duschbereich ist eine größere Erneuerung sinnvoller.
Entfernen Sie lose Fugenmasse mit einem Fugenkratzer, Multitool oder Hartmetallwerkzeug. Arbeiten Sie gleichmäßig und mindestens 2 bis 3 mm tief, damit der neue Fugenmörtel Halt bekommt. Bei sehr schmalen Fugen unter 2 mm ist Handarbeit sicherer als ein aggressives Elektrowerkzeug.
Nach dem Auskratzen saugen Sie die Fugen gründlich aus und wischen sie nebelfeucht. Mischen Sie den Fugenmörtel exakt nach Herstellerangabe. Zu viel Wasser macht die Fuge schwach, zu wenig Wasser erschwert das Einbringen.
Fugenmörtel einarbeiten
Tragen Sie den Fugenmörtel mit einem Gummiwischer diagonal zur Fuge auf. So füllen Sie die Zwischenräume besser. Nach kurzer Anziehzeit waschen Sie die Fliesen mit einem feuchten Schwamm ab, ohne die frische Fuge wieder auszuwaschen.
Ein Zementschleier bleibt oft zurück. Entfernen Sie ihn erst, wenn die Fuge ausreichend fest ist. Saure Zementschleierentferner sind auf Naturstein problematisch und sollten nur eingesetzt werden, wenn der Belag dafür geeignet ist.
Für stark beanspruchte Duschen kann ein flexibler, wasserabweisender Fugenmörtel sinnvoll sein. Epoxidharzfugen sind robuster, aber teurer und schwieriger zu verarbeiten. Rechnen Sie dafür schnell mit 35 bis 60 EUR Materialkosten für kleine Flächen, während normaler Flexfugenmörtel oft bei 12 bis 25 EUR liegt.

Mietwohnung, DIN 18534 und Grenzen der Eigenleistung
In einer Mietwohnung dürfen Sie normale Pflege und kleine Instandhaltungsarbeiten durchführen, sollten aber nicht ungefragt in die Bausubstanz eingreifen. Eine Silikonfuge zu erneuern ist oft unproblematisch, solange keine Fliesen gelöst, Sanitärteile versetzt oder Abdichtungsebenen geöffnet werden. Bei sichtbarem Schimmel, Feuchtigkeit oder losen Fliesen sollten Sie den Vermieter informieren und Fotos machen.
Die DIN 18534 regelt die Abdichtung von Innenräumen, unter anderem in Bädern und Duschen. Für Heimwerker ist wichtig: Die sichtbare Fuge ersetzt keine fachgerechte Abdichtung unter den Fliesen. Wenn Wasser bereits hinter die Fliesen gelangt, reicht neue Fugenmasse nicht aus.
In Neubauten sind bodengleiche Duschen mit Verbundabdichtung üblich. Dort sollte besonders vorsichtig gearbeitet werden, weil Randbereiche, Gefälle und Abläufe technisch zusammenhängen. In Altbau-Bädern mit nachgerüsteter Dusche sind dagegen häufig unebene Wände, schiefe Fliesen und breite Anschlussfugen von 8 bis 12 mm zu finden. Hier kann eine Hinterfüllschnur für gleichmäßige Fugentiefe sinnvoll sein.
Wann der Fachbetrieb die bessere Wahl ist
Beauftragen Sie einen Fachbetrieb, wenn Fliesen hohl klingen, die Wand weich wirkt, wiederholt Schimmel in derselben Ecke entsteht oder der Boden nach dem Duschen feucht bleibt. Auch bei bodengleichen Duschen mit Ablaufrinne ist Vorsicht sinnvoll. Ein kleiner Fehler an der Anschlussfuge kann später teuer werden.
Für größere Sanierungen sollten Sie Angebote vergleichen. Die Erneuerung aller Silikonfugen in einem 7 m² Bad kostet je nach Umfang oft 180 bis 350 EUR. Werden zusätzlich Zementfugen ausgekratzt und neu verfugt, können 350 bis 800 EUR realistisch sein. Der Preis hängt stark von Fugenlänge, Zustand, Anfahrt und Trocknungszeiten ab.
Pflege: So halten neue Badfugen länger
Neue Fugen bleiben länger sauber, wenn Wasser nach dem Duschen abgezogen wird. Ein einfacher Duschabzieher kostet 5 bis 15 EUR und bringt mehr als viele Spezialreiniger. Lüften Sie nach dem Duschen stoßweise, besonders im fensterlosen Bad mit Lüfter.
Bei innenliegenden Bädern ist die Lüftung entscheidend. Die Heizkostenverordnung betrifft zwar die Abrechnung von Wärme und Warmwasser, aber im Alltag gilt: Wer das Bad dauerhaft auskühlen lässt, riskiert mehr Kondenswasser an kalten Flächen. Eine Grundtemperatur von etwa 20 bis 22 Grad Celsius im Bad ist üblich und hilft beim Abtrocknen.
Vermeiden Sie aggressive Chlorreiniger als Dauerlösung. Sie können Silikon optisch aufhellen, greifen aber Dichtstoffe und angrenzende Materialien an. Besser sind regelmäßiges Abspülen, Trocknen und ein milder Badreiniger gegen Kalk.
Wenn Sie generell mehr Ordnung und weniger Feuchtigkeit rund um Dusche und Waschtisch wollen, ist auch Stauraum im kleinen Bad ein passendes Thema. Weniger herumstehende Flaschen bedeuten weniger Schmutzränder und weniger dauerfeuchte Stellen.
Zusammenfassung
- Prüfen Sie zuerst, ob Silikonfugen oder Zementfugen betroffen sind.
- Entfernen Sie altes Silikon vollständig, statt nur darüber zu verfugen.
- Rechnen Sie bei Eigenleistung mit 35 bis 90 EUR Materialkosten für ein kleines Bad.
- Halten Sie bei Silikonfugen 5 bis 8 mm Breite und eine saubere, trockene Haftfläche ein.
- Kratzen Sie beschädigte Zementfugen mindestens 2 bis 3 mm tief aus.
- Informieren Sie in der Mietwohnung den Vermieter, wenn Feuchtigkeit, Schimmel oder lose Fliesen sichtbar sind.
- Nutzen Sie Dusche oder Badewanne erst wieder, wenn das Silikon laut Hersteller ausreichend ausgehärtet ist.
Häufige Fragen
Wie oft müssen Silikonfugen im Bad erneuert werden?
Es gibt keine feste Frist. Bei normaler Nutzung halten gute Silikonfugen oft mehrere Jahre. Sobald sie reißen, sich ablösen, stark schimmeln oder Wasser dahinterläuft, sollten sie erneuert werden.
Kann ich neue Silikonfuge über alte Silikonfuge ziehen?
Nein, das ist nicht empfehlenswert. Neues Silikon haftet auf altem Silikon schlecht. Die alte Fuge sollte komplett entfernt, der Untergrund gereinigt und getrocknet werden.
Was kostet es, Badfugen vom Handwerker erneuern zu lassen?
Für reine Silikonfugen sind je nach Region etwa 8 bis 15 EUR pro laufendem Meter plus Anfahrt üblich. Ein kleines Bad liegt häufig bei 180 bis 350 EUR, wenn mehrere Anschlussfugen erneuert werden.
Welche Fugenbreite ist im Bad sinnvoll?
Bei Silikonanschlussfugen sind 5 bis 8 mm oft praktikabel, bei unebenen Altbauflächen auch mehr. Zementfugen zwischen Fliesen liegen häufig bei 2 bis 6 mm, abhängig von Fliesenformat und Verlegung.
Muss der Vermieter Schimmelfugen erneuern?
Das hängt von Ursache und Mietvertrag ab. Bei baulichen Mängeln oder Feuchteschäden ist der Vermieter zuständig. Melden Sie sichtbaren Schimmel und Schäden schriftlich und dokumentieren Sie den Zustand mit Fotos.
Wie lange darf ich nach dem Verfugen nicht duschen?
Viele Sanitärsilikone brauchen etwa 24 Stunden, bis sie ausreichend belastbar sind. Maßgeblich ist die Herstellerangabe auf der Kartusche. Bei kühlem, feuchtem Bad kann die Aushärtung länger dauern.








