Ein Akustikbild verbessert die Raumakustik und sieht dabei noch gut aus. Anders als voluminöse Absorber aus dem Fachhandel lässt es sich individuell gestalten und mit wenig Aufwand selbst bauen. Mit handelsüblichen Materialien aus dem Baumarkt und wenigen Werkzeugen entsteht in einem Nachmittag ein schallschluckendes Deko-Element, das störende Hall- und Echoeffekte reduziert. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Materialien Sie brauchen, welche Maße sinnvoll sind und wie Sie das Bild richtig aufhängen, damit die Wirkung optimal ist.

Warum Akustikbilder wirken – und worauf es ankommt
Räume mit harten Oberflächen wie Fliesen, Beton, Glas oder großen Fensterflächen werfen Schallwellen ungedämpft zurück. Das Ergebnis: Hall, der Sprache undeutlich macht, Musik schwammig klingen lässt und in Großraumbüros die Konzentration stört. Akustikbilder absorbieren einen Teil dieser Schallenergie, indem sie poröses oder geschlossenzelliges Material enthalten, das die Schallwellen in Wärme umwandelt. Die wichtigste Kenngröße ist der Absorptionsgrad, der bei handelsüblichen Akustikschaumstoffen bei 0,3 bis 0,8 liegt (je nach Frequenz). Für den Wohnbereich reichen Werte um 0,5 bereits aus, um einen deutlichen Unterschied zu hören.
Die Wirkung hängt stark von der Positionierung ab. Ein einziges Akustikbild bringt wenig, wenn es an einer freien Wand hängt. Sinnvoll ist die Platzierung an einer Schallreflexionsfläche, etwa direkt am Schreibtisch oder in Hörhöhe an der gegenüberliegenden Wand. Für einen Raum von 20 m² empfehle ich mindestens zwei Bilder von je 60×90 cm oder eines von 80×120 cm. Achten Sie darauf, dass das Bild nicht zu tief hängt: Die Oberkante sollte etwa 20–30 cm unter der Decke sein, um auch hohe Frequenzen zu erreichen.

Materialliste: Alles aus dem Baumarkt – mit Preisen
- Akustikschaumstoff (z. B. „Noppenschaum“ aus Melaminharz oder Polyurethan): 50×50 cm Platten kosten bei OBI oder Hornbach ab 8,99 €. Für ein Bild 60×90 cm brauchen Sie etwa 3 Platten. Alternativ: Filzplatten (z. B. aus PET-Filz, 100×60 cm, 12 € bei toom).
- Rahmen: Kiefernleiste 30×20 mm, 2 m Länge ca. 3 € pro Stück. Sie benötigen 4 Längen für den Außenrahmen plus eine mittlere Strebe für Stabilität. Gesamt: etwa 10 €.
- Rückwand: MDF-Platte 3 mm stark, zugeschnitten auf Bildmaß. Beispiel 60×90 cm kostet 6 € bei Bauhaus.
- Stoffbespannung: Akustikstoff (z. B. „AudioStoff“ von toom, 140 cm breit, 15 €/m). Rechnen Sie mit 0,5 m pro Bild – rund 7,50 €. Auch Leinen oder Molton sind möglich.
- Befestigung: Spiegelaufhängung oder D-Ringe mit Draht (2–3 €), plus Dübel und Schrauben (2 €).
- Werkzeug: Stichsäge oder Handsäge, Tacker, Heißklebepistole, Schere, Maßband, Bleistift. Gesamtinvestition unter 30 €, falls nicht vorhanden.
Summe Materialkosten für ein Akustikbild 60×90 cm: etwa 35 €. Deutlich günstiger als fertige Produkte (100 € aufwärts).
Schritt-für-Schritt-Anleitung: So bauen Sie das Akustikbild
1. Maße festlegen und Rahmen bauen
Ein typisches Akustikbild hat ein Seitenverhältnis von 3:2 oder 4:3. Für den Einstieg empfehle ich 60×90 cm (HxB). Sägen Sie zwei Latten auf 90 cm und zwei auf 60 cm Länge. Verleimen Sie die Ecken mit Holzleim und verstärken Sie sie mit Winkeln oder Nagelplatten. Für große Formate (ab 80×120 cm) setzen Sie eine Mittelstrebe ein, ein 90 cm langes Stück, das Sie mittig zwischen die langen Seiten spannen. Lassen Sie den Leim trocknen (ca. 30 Minuten).
2. Akustikschaum zuschneiden und einlegen
Passen Sie die Schaumstoffplatten passgenau in den Rahmen ein. Mit einem scharfen Messer oder einer Stichsäge (feines Sägeblatt) lassen sich Noppenschaum und Filz sauber trennen. Achten Sie darauf, dass der Schaum bündig mit der Rahmenvorderseite abschließt. Kleben Sie ihn mit Sprühkleber (3 € bei OBI) oder Heißkleber punktuell auf die Rückwand (MDF-Platte). Lassen Sie Platz für die Aufhängung: Bohren Sie in die MDF-Platte zwei Löcher im Abstand von 40 cm und ziehen Sie ein Aufhängedraht für Bilder durch.
3. Stoffbespannung aufbringen
Schneiden Sie den Stoff 10 cm größer als der Rahmen (also 70×100 cm). Legen Sie den Rahmen mit der Schaumstoffseite nach oben auf den Stoff (Stoff liegt ausgerollt auf dem Tisch). Ziehen Sie den Stoff von zwei gegenüberliegenden Seiten straff und tackern Sie ihn an der Innenseite des Rahmens fest (alle 5 cm ein Tackerschuss). Dann die restlichen Seiten: Beginnen Sie in der Mitte und arbeiten Sie sich zu den Ecken vor. Die Ecken falten Sie sauber ein. Tipp: Bügeln Sie den Stoff vorher, um Falten zu vermeiden.
4. Finale Montage und Aufhängung
Befestigen Sie die Rückwand (mit aufgeklebtem Schaum und Aufhängedraht) auf der Rückseite des Rahmens: Legen Sie sie ein und fixieren Sie sie mit kleinen Winkeln (Winkelklammern 2 € pro Satz) oder Schrauben direkt in den Rahmen. Prüfen Sie, ob der Draht gespannt ist. Nun können Sie das Bild mithilfe einer Wasserwaage an der Wand ausrichten. Bei Leichtbauwänden verwenden Sie Hohlraumdübel (z. B. Fischer DuoPower). Bei Beton reichen normale Dübel 6 mm. Hängen Sie das Bild so, dass die Unterkante etwa 120 cm über dem Boden liegt – das entspricht der Sitzhöhe und optimiert die Schallabsorption.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Fehler 1: Zu dünnes Material
Viele verwenden nur Molton oder Leinen über einem Holzrahmen, ohne Schaumstoff. Das bringt akustisch so gut wie nichts. Die Schallschluckung entsteht durch das poröse Material. Verwenden Sie immer mindestens 2 cm dicken Akustikschaum oder Filz. Ohne diesen Kern verpufft die Wirkung.
Fehler 2: Rahmen ohne Luftdurchlässigkeit
Ein zu dichter Rahmen (z. B. komplett verklebt) verhindert, dass Schallwellen ins Innere gelangen. Der Stoff muss luftdurchlässig sein – spezielle Akustikstoffe haben eine offene Webart. Normales Segeltuch oder beschichteter Stoff dichtet ab. Vor dem Kauf den Stoff gegen das Licht halten: Wenn Sie deutlich Punkte sehen, ist er offen genug.
Fehler 3: Falsche Positionierung
Ein Akustikbild hinter einem Sofa oder einem Schrank verschwindet und dämpft nicht. Platzieren Sie es an einer freien Schallreflexionsfläche – etwa an der Wand, auf die Schall von der Stereoanlage oder vom Fernseher trifft. Auch an der Wand hinter dem Schreibtisch wirkt es Wunder gegen Stimmenhall.
Fehler 4: Zu kleine Abmessungen
Ein einzelnes Bild von 30×40 cm hat kaum messbaren Effekt. Planen Sie mindestens 0,5 m² pro Bild, besser 1 m². In einem Raum von 4×5 m benötigen Sie insgesamt 2 bis 3 m² Absorptionsfläche – verteilt auf mehrere Bilder.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich auch normalen Stoff aus dem Stoffladen verwenden?
Ja, aber achten Sie auf offene Webung (z. B. Leinen, grober Baumwollstoff). Dichte Stoffe wie Tüll oder Samt sind ungeeignet, da sie Schall reflektieren. Reine Viskose oder Polyester mit hoher Dichte wirken eher reflektierend. Testen Sie, ob Sie durch den Stoff hindurch problemlos atmen können – so ist er akustisch passend.
Wie befestige ich das Akustikbild ohne Schrauben?
Mietwohnungen erlauben oft keine Bohrungen. Nutzen Sie Klebelösungen: Power Stripes von Tesa (bis 2 kg pro Strip) oder hochwertige doppelseitige Klebepads (z. B. Pattex No More Nails). Für ein Bild unter 5 kg reichen 4 Pads. Empfehlenswert ist eine Kombination aus Klebestreifen und einer stabilen Aufhängung, falls der Putz nachgibt.
Reinigt man das Akustikbild? Kann es verstauben?
Ja, es sammelt sich Staub auf dem Stoff. Verwenden Sie eine weiche Bürste oder den Staubsauger mit Polsterdüse (niedrige Saugstufe). Bei Flecken hilft ein feuchtes Tuch ohne Chemie. Der Schaum im Inneren bleibt meist sauber, wenn der Stoff dicht genug ist. Nach zwei bis drei Jahren können Sie die Bespannung wechseln – das verlängert die Lebensdauer.
Fazit
Ein selbst gebautes Akustikbild ist eine preiswerte und effektive Methode, um die Raumakustik zu verbessern und gleichzeitig eine individuelle Deko zu schaffen. Mit etwa 35 € Materialkosten und zwei Stunden Arbeit erhalten Sie ein maßgeschneidertes Produkt, das Hall spürbar reduziert. Achten Sie auf ausreichend dicken Absorber (mindestens 2 cm), einen luftdurchlässigen Stoff und die richtige Platzierung. Starten Sie mit einem Bild, testen Sie die Wirkung und bauen Sie bei Bedarf ein zweites. So wird Ihr Raum nicht nur leiser, sondern auch schöner.
Mehr zum Thema: Dübel in der Wikipedia.








