Eine gestrichene Decke kann einen Raum völlig verwandeln – vorausgesetzt, sie wird gleichmäßig und ohne Streifen. Viele Heimwerker scheitern an diesem Projekt, weil sie das falsche Werkzeug verwenden oder die Arbeitsschritte nicht optimal aufeinander abstimmen. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du mit einfachen Mitteln aus dem Baumarkt (OBI, Bauhaus, Hornbach) ein professionelles Ergebnis erzielst. Wir zeigen dir die optimale Reihenfolge, die richtigen Werkzeuge und wie du typische Fehler vermeidest.

Vorbereitung: Raum ausräumen, abkleben und grundieren
Bevor du mit dem Streichen beginnst, musst du den Raum leerräumen oder große Möbelstücke in der Mitte zusammenstellen und mit Malerfolie abdecken. Eine 4x5m Rolle Abdeckfolie kostet bei OBI etwa 4-5€. Klebe die Kanten zu Wänden, Fenstern und Türen mit Malerkrepp (ca. 5€ für 50m) ab. Achte darauf, dass das Kreppband gut haftet, aber nach dem Streichen leicht zu entfernen ist – wähle ein Produkt mit mittlerer Klebkraft, z.B. „tesa Malerkrepp“.
Der nächste Schritt ist die Grundierung, besonders wenn die Decke saugend ist (z.B. Putz) oder bereits starke Flecken aufweist. Eine Tiefengrundierung (etwa 15€ für 5 Liter bei toom) verhindert, dass die Farbe ungleichmäßig einzieht und später Streifen sichtbar werden. Trage die Grundierung mit einem breiten Pinsel oder einer Farbrolle auf und lasse sie mindestens 6 Stunden trocknen.
Ein typischer Fehler ist es, die Grundierung zu überspringen. Gerade bei Altbau-Decken mit unterschiedlichem Untergrund führt dies später zu unregelmäßigen Glanzgraden und sichtbaren Streifen. Plane also genug Zeit für die Trocknung der Grundierung ein – besser über Nacht als zu knapp.
Das richtige Werkzeug: Farbroller, Teleskopstange und Zubehör
Das A und O für eine streifenfreie Decke ist der passende Farbroller. Für glatte Decken eignet sich ein Kurzflor-Walze (8-10mm Florhöhe) aus Velours oder Microfaser. Für rauere Putzdecken nimm einen Mittel- oder Langflorroller (12-18mm). Ein hochwertiger Roller von „Nour“ oder „Poco“ kostet im Baumarkt etwa 8-15€. Kauf dir besser zwei gleiche Roller, damit du während der Arbeit den einen auswaschen kannst, während der andere weiterläuft.
Die Teleskopstange (oft als „Ausleger“ bezeichnet) ist ein Muss: Sie erleichtert die Arbeit enorm und sorgt für einen gleichmäßigen Druck. Eine stabile Aluminiumstange von Gardena oder einer Eigenmarke ist für 10-20€ erhältlich. Achte darauf, dass die Aufnahme zum Roller – meist mit einem Kunststoff-Steckadapter – fest sitzt und nicht wackelt.
Zur Farbaufnahme benötigst du eine Farbwanne mit Riffelblech (ca. 6-8€ bei Bauhaus) und einen Pinsel für die Ecken und Kanten. Hier reicht ein guter Flachpinsel (60mm) aus Polyester für etwa 5€. Verwende unbedingt eine Abstreifgitter (oft im Lieferumfang der Wanne) oder ein Siebeinsatz, um überschüssige Farbe vom Roller zu entfernen – das verhindert Spritzer und übermäßige Farbschichten.
Die richtige Technik: Reihenfolge, Druck und Überlappung
Die Hauptregel lautet: Arbeite immer von der Mitte des Raumes zu den Rändern hin. Beginne mit dem Streichen der Felder in der Raummitte und lasse die Randstreifen für den letzten Durchgang. So vermeidest du, dass getrocknete Ränder sichtbar werden. Rolle die Farbe in Bahnen, die etwa 1,20–1,50 Meter breit sind, und achte darauf, dass jede Bahn die vorherige etwa 10–15 cm überlappt – am besten noch im nassen Zustand (nass-in-nass).
Der richtige Druck auf den Roller ist entscheidend: Drücke nicht zu fest, sonst entstehen Abdrücke und ungleichmäßige Farbschichten. Der Roller sollte gleichmäßig und ohne Rucken geführt werden, mit einer leichten Z-förmigen Bewegung. Nach dem Auftragen der Farbe „rollst“ du die Bahn noch einmal ohne Farbe nach, um die Oberfläche zu glätten.
Ein häufiger Fehler ist, zu viel Farbe auf einmal aufzunehmen. Tauche den Roller nur etwa zur Hälfte in die Farbe und rolle ihn auf dem Abstreifgitter ab, bis er gleichmäßig benetzt ist. Dann rollst du von unten nach oben und wieder zurück – nicht kreuz und quer. Lasse dich nicht hetzen: Lieber in kleinen Abschnitten arbeiten und das Nass-in-Nass-Prinzip beachten, als später Streifen ausbessern zu müssen.

Trockenzeiten und zweiter Anstrich: Geduld ist der Schlüssel
Die Trockenzeit der Farbe hängt von der Art ab: Dispersionsfarbe für Innenräume ist nach etwa 4–6 Stunden oberflächentrocken und nach 12–24 Stunden durchgetrocknet. Lies immer die Herstellerangaben auf dem Eimer (z.B. „Alpina Feine Farben“). Ein zweiter Anstrich ist bei deckenden Farben normalerweise nötig – selbst bei hochwertigen Produkten. Warte mindestens 6 Stunden zwischen den Anstrichen, besser über Nacht.
Die Raumtemperatur sollte während des Streichens und Trocknens zwischen 18 und 25°C liegen, die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch. Lüfte den Raum nach dem ersten Anstrich kurz (ca. 5 Minuten), um Lösungsmittel auszulüften, aber vermeide Durchzug während der Trocknung, da dies zu Rissen führen kann.
Sollten nach dem zweiten Anstrich noch Streifen sichtbar sein, hilft ein Feinwasserschleifer (Körnung 240) mit einem Schwamm, um die Oberfläche leicht anzurauen – und dann noch einmal dünn überrollen. Aber Vorsicht: Das macht die Farbe anfälliger für Abrieb, daher nur im Notfall anwenden.
Die wichtigsten Tipps auf einen Blick
- Raum vor dem Streichen gründlich vorbereiten: Möbel abdecken, Kanten abkleben.
- Immer grundieren – besonders auf saugenden oder fleckigen Untergründen.
- Verwende einen hochwertigen Farbroller mit passender Florhöhe (8-18mm) und eine Teleskopstange.
- Trage die Farbe in gleichmäßigen Bahnen von der Mitte zu den Rändern auf, nass-in-nass.
- Überlappe jede Bahn um 10–15 cm, um Streifen zu vermeiden.
- Nicht zu viel Farbe aufnehmen – den Roller auf dem Abstreifgitter gut abrollen.
- Zweiter Anstrich nach ausreichender Trockenzeit (min. 6 Stunden).
- Bei Problemen: Feinschliff mit 240er Körnung und erneutes Überrollen.
Häufige Fragen
Wie lange muss die Farbe zwischen den Anstrichen trocknen?
Die meisten Dispersionsfarben für Decken sind nach 4-6 Stunden grifffest und nach 12-24 Stunden vollständig durchgetrocknet. Ein zweiter Anstrich sollte frühestens nach 6 Stunden erfolgen. Schlage im Zweifelsfall in der Anleitung auf dem Farbeimer nach – je nach Marke und Temperatur können die Zeiten variieren.
Welche Farbe eignet sich am besten für Decken?
Empfehlenswert ist weiße Dispersionsfarbe mit guter Deckkraft und hohem Weißgrad. Produkte wie „Alpina Feine Farben“ (ca. 25€/5L) oder „Wandfarbe Premium“ von OBI sind für Decken optimiert. Achte auf die Nassabriebsklasse (Klasse 1-2) für Scheuerbeständigkeit – für Decken ist das aber weniger wichtig als für Wände.
Muss ich die Decke vor dem Streichen grundieren?
Ja, wenn die Decke saugend ist (z.B. unbehandelter Putz, Gipskarton, alte Farbreste). Eine Grundierung verhindert, dass die Farbe ungleichmäßig einzieht, und sorgt für eine gleichmäßige Haftung. Bei bereits gestrichenen, glatten Decken in gutem Zustand kann das Grundieren entfallen, sofern die Farbe nicht abkreidet.
Fazit
Eine Decke ohne Streifen zu streichen ist kein Hexenwerk, erfordert aber die richtige Vorbereitung, das passende Werkzeug und etwas Geduld. Investiere in eine vernünftige Teleskopstange und einen guten Farbroller – das macht sich bezahlt. Arbeite systematisch von der Mitte zu den Rändern, halte die Bahnen nass-in-nass und plane genug Zeit für die Trocknung ein. Mit diesen Tipps wird deine Decke makellos weiß und ohne unschöne Schlieren. Viel Erfolg!
Mehr zum Thema: Estrich in der Wikipedia.








