Warum ein Türzylinderwechsel sinnvoll ist
Der Austausch des Türschlosszylinders gehört zu den häufigsten Heimwerkerarbeiten in Miet- und Eigentumswohnungen. Nach einem Einzug oder Verlust von Schlüsseln möchten Sie sicherstellen, dass niemand unbefugt Zutritt hat. Auch bei älteren Schließanlagen lohnt sich ein Wechsel, denn Sicherheitszylinder bieten mehr Schutz vor Aufbohren oder Picking. Die gute Nachricht: Mit etwas handwerklichem Geschick können Sie den Zylinder selbst wechseln – und sparen dabei den Monteur. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie den passenden Zylinder ausmessen, kaufen und einbauen. Wir beziehen uns dabei auf Produkte, die in deutschen Baumärkten wie OBI, Bauhaus oder Hornbach erhältlich sind.
Bevor Sie beginnen, prüfen Sie, ob Ihre Tür einen Profilzylinder hat (der gängigste Typ). Dieser ist länglich und wird mit einer Schraube von der Innenseite fixiert. Normale Zimmertüren haben oft Buntbartschlösser – diese sind nicht für den Austausch des Zylinders vorgesehen, hier müsste das gesamte Schloss getauscht werden. Bei Wohnungseingangstüren ist fast immer ein Profilzylinder verbaut. Die Kosten für einen neuen Zylinder liegen je nach Sicherheitsstufe zwischen 15 und 60 Euro. Ein hochwertiges Modell mit Not- und Gefahrenfunktion (beidseitig aufschließbar, auch wenn innen ein Schlüssel steckt) ist für etwa 30 bis 50 Euro zu haben.

Zylinder ausmessen – So geht’s richtig
Der kritischste Schritt ist das korrekte Ausmessen. Sie benötigen zwei Maße: die Länge des Zylinders von der Mitte der Befestigungsschraube bis zur Außenkante auf beiden Seiten. Messen Sie bei eingebautem Zylinder: Entfernen Sie zuerst die Schraube an der schmalen Seite des Türblatts (oft unterhalb des Riegels). Ziehen Sie den Zylinder heraus. Messen Sie nun den Abstand von der Mitte der Schraubenbohrung des Zylinders zur äußeren Kante – einmal für die Außenseite (Seite mit Schlüsselloch) und einmal für die Innenseite. Diese Maße addiert ergeben die Gesamtlänge. Ein typischer Wert ist 30/30 (30 mm auf jeder Seite, Gesamtlänge 60 mm). Üblich sind Kombinationen wie 30/30, 30/35, 35/35, 40/40 oder asymmetrisch je nach Türstärke.
Beachten Sie: Die Türstärke allein reicht nicht, da der Zylinder etwas überstehen muss. Der Zylinder sollte auf der Außenseite bündig mit dem Türbeschlag abschließen oder max. 3 mm überstehen. Auf der Innenseite kann er ruhig 1–2 mm überstehen. Wenn Sie unsicher sind, messen Sie den vorhandenen Zylinder. Notieren Sie sich auch, ob der Zylinder eine Kupplung (Not- und Gefahrenfunktion) hat und ob er mit dem vorhandenen Schlüsselsystem kompatibel sein muss. Nehmen Sie den alten Zylinder mit zum Baumarkt – die Verkäufer helfen bei der Zuordnung.

Den passenden Zylinder kaufen
Im Baumarkt oder online finden Sie eine große Auswahl. Achten Sie auf die Sicherheitsklasse nach DIN EN 1303; Klasse 2 oder 3 für Wohnungen ist ausreichend. Zertifikate wie „SKG-Stern“ (niederländisch) oder „VdS“ sind Qualitätsmerkmale. Entscheiden Sie sich für einen Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion, wenn Sie von innen mit eingestecktem Schlüssel von außen aufschließen können möchten – das ist sinnvoll, falls Sie innen den Schlüssel vergessen haben oder bei einem Notfall die Tür geöffnet werden muss.
Preise: Ein Basismodell ohne Sicherheitsmerkmale (z.B. von Abus oder Burg-Wächter) kostet etwa 15–20 Euro. Ein mittleres Modell mit Aufbohrschutz und Notfunktion liegt bei 30–45 Euro. Hochsicherheitszylinder mit Schließzwinge oder elektronischer Sperrfunktion sind ab 60 Euro erhältlich. Wichtig: Kaufen Sie einen Zylinder mit genauen Maßen – oft gibt es auf 5 mm abgestufte Längen (z.B. 30/30, 30/35, 35/35, 40/40). Wenn Sie zwischen zwei Größen liegen, wählen Sie die größere Variante, da der Zylinder auf der Innenseite etwas überstehen darf.
Einbau Schritt für Schritt
Sie benötigen: Kreuzschlitzschraubendreher (PH2), eventuell einen Inbusschlüssel (bei manchen Beschlägen), den neuen Zylinder und ggf. ein Lineal. Gehen Sie wie folgt vor:
- Schritt 1: Tür öffnen. Entfernen Sie die Schraube an der schmalen Seite des Türblatts (meist unter dem Riegel oder auf Höhe des Zylinders). Steckt die Schraube fest, etwas WD-40 verwenden.
- Schritt 2: Drehen Sie den Schlüssel im Zylinder auf die Position „Aufgeschlossen“ (meist senkrecht). Ziehen Sie den Zylinder vorsichtig heraus. Falls er klemmt, leicht wackeln.
- Schritt 3: Stecken Sie den neuen Zylinder ein – wieder mit Schlüssel in Mittelstellung. Achten Sie darauf, dass die Mitnehmerseite (der kleine Nocken) in die Schlossmechanik greift. Druckausübung von außen hilft.
- Schritt 4: Fixieren Sie den Zylinder mit der mitgelieferten (oder alten) Schraube. Nicht zu fest anziehen, da das Schloss sonst schwergängig wird.
- Schritt 5: Testen Sie die Funktion: Schlüssel von außen und innen stecken, mehrmals auf- und zuschließen. Wenn alles leichtgängig ist, ist der Einbau gelungen.
Typische Fehler: Zylinder falsch herum eingebaut (die längere Seite gehört nach innen), Schraube zu fest angezogen (Blockade), Mitnehmer passt nicht zur Schlossnuss (dann Zylinder drehen oder anderen kaufen). Bei Türen mit Wechsel (Schlüsselloch auf beiden Seiten) ist die Einbaurichtung entscheidend – achten Sie auf die Markierung „außen“ auf dem Zylinder.
Häufige Fragen
Kann ich den Zylinder auch ohne Bohren wechseln?
Ja, in den meisten Fällen ist kein Bohren nötig. Die Schraube ist von der Seite zugänglich. Sollte der Zylinder abbrechen oder die Schraube rundgedreht sein, kann ein Metallbohrer zum Entfernen nötig sein – dann besser einen Fachmann rufen.
Muss ich den Vermieter informieren, wenn ich in einer Mietwohnung den Zylinder wechsle?
Ja, informieren Sie Ihren Vermieter und geben Sie ihm einen Ersatzschlüssel. Der Austausch des Zylinders ist meist erlaubt, aber Sie müssen beim Auszug den alten wieder einbauen. Bewahren Sie den alten Zylinder unbedingt auf.
Was kostet ein Türschlosswechsel beim Schlüsseldienst?
Ein Schlüsseldienst verlangt je nach Region 50–150 Euro für den Wechsel eines Zylinders (inkl. Anfahrt). Selbst gemacht kostet das Material nur 15–50 Euro. Die Ersparnis ist also erheblich.
Fazit
Den Türzylinder selbst zu wechseln ist mit den richtigen Maßen und einem passenden Ersatzzylinder eine einfache Aufgabe, die in 15 Minuten erledigt ist. Sie erhöhen die Sicherheit Ihrer Wohnung und sparen bares Geld. Achten Sie darauf, den alten Zylinder aufzubewahren – bei Auszug müssen Sie ihn wieder einbauen. Mit diesem Ratgeber haben Sie alle Informationen, um den Austausch selbst durchzuführen. Trauen Sie sich! Bei Unsicherheiten stehen die Mitarbeiter im Baumarkt gerne beratend zur Seite.








