Die richtige Bohrerwahl
Wer Fliesen ohne Risse oder Sprünge durchbohren will, steht vor der entscheidenden Frage: Welcher Bohrer ist der richtige? Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Hartmetall- und Diamantbohrern. Für glasierte Wandfliesen (z. B. im Bad) reicht oft ein hochwertiger Hartmetallbohrer mit Kreuzschliff, wie der Bosch CYL-9 Multi Construction (Preis ca. 8–12 € pro Stück im 10er-Set bei OBI). Dieser Bohrer ist speziell für Fliesen, aber auch für Mauerwerk geeignet. Er hat eine Zentrierspitze, die das Anbohren erleichtert und das Verlaufen verhindert.
Für sehr harte Fliesen wie Feinsteinzeug oder Porzellanfliesen sind Diamantbohrer die bessere Wahl. Sie kosten pro Stück etwa 15–30 € (z. B. von Rubi oder Proxxon bei Bauhaus) und sind meist als Hohlbohrer ausgeführt. Mit ihnen kannst du selbst durch dickes Steinzeug sauber bohren, ohne dass die Fliese springt. Wichtig: Verwende niemals einen normalen Steinbohrer – die Spitze ist nicht geeignet und führt fast immer zu Rissen.

Die optimale Technik
Die richtige Technik ist genauso wichtig wie der Bohrer. Vor dem Bohren solltest du die Bohrstelle mit einem wasserlöslichen Stift markieren und mit einem Stück Kreppband überkleben. Das Klebeband verhindert, dass der Bohrer wegrutscht, und reduziert die Vibration. Verwende einen Bohrer mit 6 mm Durchmesser für Dübel in Fliesen (z. B. für Handtuchhalter).
Beginne mit einer niedrigen Drehzahl (ca. 300–500 U/min) und bohre ohne Druck. Lass den Bohrer arbeiten – zu viel Kraft führt zum Springen. Halte den Bohrer im rechten Winkel zur Fliese. Bei Diamantbohrern ist eine Wasserkühlung unerlässlich: Besprühe die Fliese regelmäßig mit einer Sprühflasche, oder verwende eine Bohrhilfe mit integrierter Wasserzufuhr. Ohne Kühlung überhitzt der Bohrer und die Fliese kann platzen.
Sobald der Bohrer durch die Glasur ist, kannst du die Drehzahl leicht erhöhen (max. 1000 U/min). Bohre langsam und gleichmäßig, bis du auf den Untergrund (Put oder Mauerwerk) triffst. Dann wechselst du auf einen normalen Steinbohrer für das Mauerwerk. Entferne den Fliesenstaub regelmäßig – am besten mit einem Staubsauger.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Zu viel Druck. Viele drücken den Bohrer mit voller Kraft in die Fliese. Das führt zu Mikrorissen, die später sichtbar werden. Löse den Bohrer und übe nur leichten Anpressdruck aus. Fehler 2: Fehlende Kühlung. Besonders bei Diamantbohrern ist Wasser Pflicht – ohne Wasser brennt der Bohrer ein und die Fliese wird heiß, was Risse verursacht. Fehler 3: Falscher Bohrerwinkel. Ein schräger Bohrwinkel bringt den Bohrer zum Rutschen und die Fliese springt. Nutze eine Wasserwaage oder Bohrhilfe, um den Winkel zu kontrollieren.

Fehler 4: Bohren ohne Anbohren. Zwar haben moderne Bohrer eine Zentrierspitze, aber auf glasierten Fliesen ist Kreppband oder ein spezielles Anbohrwerkzeug (z. B. Bohrerschablone von Bosch für ca. 15 € bei Hornbach) hilfreich. Fehler 5: Zu große Bohrer auf einmal. Bohre nie mit dem Enddurchmesser direkt in die Fliese – erst mit 4 mm vorbohren, dann auf 6 mm oder 8 mm aufweiten. Das minimiert die Belastung.
Zusätzliche Tipps für perfekte Löcher
- Arbeite immer von der Fliesenseite aus. Wenn die Fliese bereits auf der Wand geklebt ist, bohre vorsichtig – Hohlräume dahinter können zu Brüchen führen.
- Verwende eine Bohrhilfe. Solche Vorrichtungen (ca. 20–30 € bei Bauhaus) halten den Bohrer exakt im Lot und verhindern Verrutschen.
- Kühle bei langen Bohrungen. Bei Bohrungen über 10 mm Tiefe immer wieder Wasser aufsprühen, auch wenn die Fliese bereits durchbohrt ist.
- Reinige die Bohrer regelmäßig. Diamantbohrer werden mit der Zeit stumpf – ein Abziehen mit einem Schleifstein kann helfen (oder gleich einen neuen Bohrer nehmen).
- Teste auf einem Reststück. Falls du eine alte Fliese übrig hast, übe vorher – das gibt Sicherheit.
Häufige Fragen
Kann ich einen normalen Steinbohrer verwenden?
Nein, das ist nicht empfehlenswert. Normale Steinbohrer haben eine andere Spitzengeometrie und sind für Fliesen zu aggressiv. Sie führen fast immer zu Rissen oder Springen der Fliese. Investiere lieber 10–20 € in einen speziellen Fliesenbohrer.
Muss ich vorbohren?
Ja, besonders bei harten Fliesen oder großen Durchmessern. Ein Vorbohren mit einem 4-mm-Hartmetallbohrer reduziert die Belastung und das Risiko von Rissen. Danach mit dem endgültigen Durchmesser aufbohren.
Wie verhindere ich Risse am Rand der Fliese?
Bohre nie direkt am Rand einer Fliese (mindestens 2 cm Abstand). Halte die Drehzahl niedrig und verwende eine Kühlung. Falls möglich, klebe die Fliese auf der Rückseite mit Kreppband ab – das nimmt die Vibration.
Fazit
Fliesen bohren ohne Springen ist mit der richtigen Vorbereitung und Technik gut machbar. Entscheidend sind die Wahl des passenden Bohrers (Hartmetall oder Diamant je nach Fliesenhärte), eine niedrige Drehzahl, ausreichende Kühlung und vor allem: wenig Druck. Mit den Tipps aus diesem Ratgeber gelingen dir saubere Löcher für Spiegel, Handtuchhalter oder Seifenspender – ohne Frust und ohne Risse. Denk dran: Übung macht den Meister. Also trau dich – deine Fliesen werden es dir danken.
Mehr zum Thema: Dübel in der Wikipedia.








