Pilzmyzel-Möbel für Zuhause: Gezüchtete Beistelltische, Akustikpaneele und Leuchten aus Hanfschäben – leicht, leise, lebendig

Pilzmyzel-Möbel für Zuhause: Gezüchtete Beistelltische, Akustikpaneele und Leuchten aus Hanfschäben – leicht, leise, lebendig

Schon einmal ein Regal gezüchtet statt gebaut? Pilzmyzel-Biokomposite ziehen in Wohnzimmer, Schlafzimmer und Homeoffice ein. Sie verbinden Wohngesundheit, Akustikkomfort und extrem niedriges Gewicht – und lassen sich als DIY-Projekt umsetzen. Was taugen sie im Alltag und wo funktionieren sie am besten?

Was ist Myzel-Design und warum ist es relevant für Interiors?

Myzel ist das feine Wurzelgeflecht von Pilzen. In einer Form wächst es durch pflanzliche Reststoffe wie Hanfschäben oder Stroh, vernetzt die Partikel und bildet nach dem Trocknen ein stabil-poröses Material. Ergebnis: Möbelteile und Akustikpaneele, die schalldämpfen, feuchtigkeitsregulierend wirken und am Lebensende kompostierbar sind.

Materialaufbau

  • Kern: Hanfschäben 2–8 mm, regionales Nebenprodukt
  • Binder: lebendes Pilzmyzel, wächst innerhalb von 3–6 Tagen
  • Finish: pflanzliche Öle, Kasein- oder Chitosan-Versiegelung, optional Naturharz-Lack

Alltagstauglichkeit

  • Gewicht: rund 180–250 kg m³, ideal für wandhängende Elemente
  • Akustik: offenporig, mittlere bis hohe Frequenzen werden stark absorbiert
  • Wohngesund: lösungsmittelfrei möglich, geringe VOC bei mineralischem Finish

Wo Myzel am meisten glänzt: Anwendungen in Wohnung und Haus

  • Akustikpaneele im Wohnzimmer: Wellen- oder Rillenrelief hinter Sofa oder TV senkt Nachhall und verbessert Sprachverständlichkeit
  • Beistelltische und Hocker: Leicht, stoßabsorbierend, mit Holzplatte als robuste Auflage
  • Leuchten: Schirm aus Myzel streut warmes Licht, ideal für Leseecken
  • Kopfteil im Schlafzimmer: fühlt sich trocken-warm an, dämpft Geräusche
  • Trennelemente fürs Homeoffice: mobile, magnetische Akustik-Boards

Technische Kennwerte auf einen Blick

Eigenschaft Typischer Wert Praxisnutzen
Dichte 180–250 kg m³ Sehr leicht, wandtauglich
Druckfestigkeit 0,3–0,8 MPa Als Strukturkern geeignet, Decklage empfohlen
Wärmeleitfähigkeit 0,040–0,055 W mK Oberflächen fühlen sich warm an
Schallabsorption αw 0,35–0,70 bei 30–60 mm Weniger Echo, klarere Sprache
Feuchtepuffer kapillar aktiv Ausgleich kleiner Luftfeuchte-Spitzen
Brandverhalten abhängig vom Finish Mit mineralischem Anstrich schwerer entflammbar

Designideen, die anders sind

  • Rippenpaneele im TV-Bereich: Relief erhöht Oberfläche und Absorption
  • Espresso-Ton durch Pigmente aus Pflanzenkohle, passend zu Eichenmöbeln
  • Hybrid-Hocker: Myzelkern plus Holzring als Stoßkante
  • Duftarme Finishs für Schlafzimmer, z. B. Kasein-Topcoat

DIY: Ein leichtes Beistelltischchen in 6 Tagen züchten

Materialliste

  • Form aus Sperrholz oder Silikon, ca. 38 x 38 x 42 cm
  • Substrat: Hanfschäben 15 l, angefeuchtet und pasteurisiert
  • Myzel-Startkultur Grain Spawn 1 l eines essbaren Kulturstamms
  • Abdeckung: atmungsaktive Folie oder Baumwolltuch
  • Trockner oder Ofen mit Umluft, Thermometer
  • Decklage: 15 mm Holzplatte als Tischoberfläche, Schrauben

Schritt für Schritt

  1. Substrat und Startkultur sauber mischen, leicht andrücken
  2. In die Form füllen, 3–4 cm Schicht für Schicht, Fugen gut verdichten
  3. Abdecken und 22–26 Grad sowie leicht feucht halten, 3–5 Tage wachsen lassen bis alles weiß durchzogen ist
  4. Aus der Form lösen und bei 70–80 Grad 4–6 Stunden trocknen, bis Material hart und trocken ist
  5. Oberfläche schleifen, mit pflanzlichem Öl oder Kasein versiegeln
  6. Holzdeckplatte montieren, Filzgleiter unter die Füße kleben

Tipp: Für Akustikpaneele 30–60 mm Stärke wählen und Rillen in die Form integrieren.

Oberfläche, Pflege und Sicherheit

  • Versiegelung: Dünne Schichten Naturharzöl oder Kasein; für Küchen- oder Kinderzimmer zusätzliche Schutzschicht auftragen
  • Brandschutz: Mineralische Anstriche oder Silikatfarben erhöhen die Heißstabilität
  • Pflege: Staub mit weicher Bürste entfernen, Flecken vorsichtig mit leicht feuchtem Tuch

Fallstudie: 22 m² Studio mit Myzel-Akustikwand

  • Projekt: Mediennische mit 6 m² Myzelpaneelen, Stärke 40 mm
  • Ergebnis: Nachhallzeit von 0,72 s auf 0,43 s im Sprachbereich 500–2000 Hz
  • Montage: Holzlattung, Paneele mit Schrauben und großen Unterlegscheiben fixiert
  • Gewichtsersparnis: ca. 35 kg statt 90 kg bei MDF-Alternativen

Pro und Contra

Aspekt Pro Contra
Ökologie Reststoffe, kompostierbar Feuchteempfindlich ohne Finish
Gewicht Sehr leicht Geringere Punktlasten als Massivholz
Akustik Starke Dämpfung bei mittleren Frequenzen Tiefe Bässe wenig beeinflusst
Design Weiche Haptik, organische Formen Limitierte Hochglanz-Finishes
DIY Wenig Werkzeug nötig Wachstumszeit statt Sofortmontage

Shopping-Check: Worauf beim Kauf achten

  • Dichte und Stärke: je dicker, desto bessere Akustik
  • Finish: lösungsmittelfrei für Schlafzimmer, robustere Beschichtung für Tischoberflächen
  • Montage: verdeckte Schlüsselloch-Aufhängungen oder sichtbare Schrauben mit Designscheiben
  • Herkunft: regionale Substrate und kurze Lieferwege bevorzugen

Kombination mit anderen Materialien

  • Holz: Decklagen, Randleisten und tragende Rahmen
  • Wolle: Filzauflagen auf Hockern für zusätzliche Wärme
  • Lehmfarbe: mineralisches, mattes Finish auf Paneelen

Zukunftsausblick

  • Parametrische Reliefs aus der Form für maßgeschneiderte Akustik
  • Hybrid-Paneele mit dünnen Holzfurnieren für höhere Kantenfestigkeit
  • Farbstoffe aus Algen für natürliche, tiefe Töne ohne Lösemittel

Fazit mit Praxisimpuls

Myzel-Biokomposite bringen eine seltene Kombination aus Leichtigkeit, Wohngesundheit und Akustik ins Zuhause. Starten Sie klein mit einem Lampenschirm oder drei Paneelen im TV-Bereich und skalieren Sie von dort. Wer Materialien sucht, die sichtbar aus Reststoffen mehr machen, findet in Myzel eine echte Alternative zu MDF, Schaumstoff und Kunstharz.